AICR Deutschland 1974 – 2004
Auszüge aus der Festschrift zum 30 Jährigen Jubiläum Niedergeschrieben von den Gründungsmitgliedern Ernst Deker und Helmut Kreiß. Dreißig Jahre sind nun inzwischen schon seit der Gründung der "Amicale" in Deutschland vergangen. Wie hat es damals, 1974 angefangen?
Am 5. Januar 1974 wurde im Steigenberger Airport Hotel in Frankfurt/ Main die deutsche Sektion der "Amicale Internationale des Chefs de Reception des Grands Hotels" gegründet. Aber dieser Gründungsakt war nicht der Anfang. Der Anfang war die Erkenntnis der Empfangschefs, dass ihre Gäste, von Haus zu Haus reisend, viele ihrer Kollegen sehr gut kannten, die Empfangschefs untereinander sich aber nur in Ausnahmefällen jemals persönlich begegneten.
Die meist rein dienstlichen Kontakte am Telefon beschränkten sich auf den jeweiligen Auftrag. Dabei arbeiteten doch alle an der gleichen, gemeinsamen Aufgabe, nämlich dem reisenden Gast unterwegs ein Zuhause zu bieten, sich in besonderer Weise um ihn zu bemühen. Warum sollte diese gemeinsame Aufgabe nicht durch persönliche Bekanntschaft und Erfahrungsaustausch zu einer echten Gemeinschaft führen? Diese Gemeinschaft könnte wiederum - umgekehrt - die berufliche Tätigkeit bereichern.
Es fehlte also nur noch der zündende Funke. Dieser sprang über, als am 2.1.1972 im Dorchester in London bei einem Treffen der "Hotels de grande classe" der damalige Empfangsdirektor des Hotels Vier Jahreszeiten in Hamburg, Gert Prantner, in einem Randgespräch mit dem Präsidenten der "Association internationale de l`hôtellerie", Jean Armleder und Otto Berger, dem Empfangschef des "Bellevue Palace" in Bern, von der bereits bestehenden A.I.C.R. erfuhr.
Da hatten sich regionale Freundeskreise der Empfangschefs an der Cote d'Azur und in Paris, zu denen Kollegen aus der Schweiz und Belgien getreten waren, bereits zur "AMICALE", einem internationalen Verein der Empfangschefs und Empfangsdirektoren, zusammengefunden. Präsident war zur Zeit Herr Otto Berger.
Nach diesem Londoner Gespräch war für Herrn Prantner die Gründung einer deutschen Sektion der A.I.C.R. nur noch eine Organisationsfrage. Als ein Mann von schnellen Entschlüssen, lud er sofort das Präsidium der AMICALE nach Hamburg ein, um dort die notwendigen Vorbesprechungen zu führen.
Bereits am 10.03.1973 fand dieses Treffen im Hotel Vier Jahreszeiten in Hamburg statt. Satzungs- und Organisationsfragen waren schnell geklärt. Es wurde beschlossen, als Keimzelle der zukünftigen deutschen Sektion in Hamburg eine Arbeitsgruppe zu bilden, die sich zunächst aus Herrn Prantner und den Mitarbeitern seines Empfangsbüros zusammensetzte.
Bald stieß dann auch Herr Heuser vom Atlantic Hotel in Hamburg dazu. Diese Arbeitsgruppe sollte die Gründung der deutschen Sektion planmäßig vorbereiten. Zunächst musste der potentielle Mitgliederkreis informiert und interessiert werden. Da ergaben sich gleich mehrere Schwierigkeiten: Welche Größenordnung der Vereinigung sollte angestrebt werden? Wie waren die Kollegen, an deren Mitgliedschaft Interesse bestand, am besten zu erreichen und anzusprechen? Nach welchem System sollte überhaupt vorgegangen werden, um die Idee der Amicale in Deutschland zu verbreiten?
Frankreich konnte da nicht Vorbild sein, weil die beiden ausgeprägten regionalen Ballungsräume (Cote d'Azur und Paris) in Deutschland keine Parallele hatten. Man entschloss sich, eine Liste der Hotels zusammenzustellen, die als korrespondierend im weiteren Sinne zu betrachten waren, deren Gästekreis eine gewisse Homogenität aufwies.
Der Dienst am Gast als gemeinsame berufliche Aufgabe der Empfangschefs konnte durch die Amicale nur gefördert und verbessert werden, wenn der Ansprache zukünftiger Mitglieder seine gastb ezogene Selektion vorausging. So kam es, dass - mangels persönlicher Kontakte und Bekanntschaft zwischen den Empfangschefs - über die Hotels, also über die Hoteliers und Direktoren die Idee der Amicale an die Kollegen in diesen Häusern herangetragen wurde.
Dieser Weg hat sich als richtig erwiesen. Es stand auch von Anfang an fest, dass eine Vereinigung der Empfangschefs nicht ohne wohlwollende Zustimmung und Förderung der Hoteliers möglich sein könnte. So wurde gleich zu Beginn in Herrn Hans Loeble (Reichsbahn- und Turmhotel Stuttgart) die Kontaktperson zur Hotellerie und zum DEHOGA gefunden. Er ist später als Ehrenpräsident ein wirklicher Förderer der Vereinigung geworden. In einem weiteren Mailing wurden dann die geknüpften Verbindungen durch persönliche Kontakte mit den Empfangschefs vertieft.
Die Resonanz war zufriedenstellend, wenn auch in einzelnen Fällen noch einmal nachgefasst werden musste, weil man auf den einen oder anderen Kollegen unter keinen Umständen verzichten wollte. Das erreichte Stadium der Vorbereitungen ließ den Gedanken an die baldige Gründung aufkommen. Wieder viele Telefonate, Briefe und Fernschreiben, hin und her, bis endlich das Wann und Wo geklärt waren:
5. Januar 1974 Steigenberger Airport Hotel Frankfurt/Main *
Gründungsversammlung der deutschen Sektion der A.I.C.R. * Es lohnt sich, bei dieser Gründungsversammlung etwas zu verweilen. Wenn man heute das Protokoll liest, staunt man über den generalstabmäßig geplanten Ablauf dieses ersten Treffens; es sollte stilprägend für die deutsche Sektion werden.
Die Anwesenheitsliste führte 29 Namen auf, die als Taufpaten herbeigeeilt waren. Darunter eine Phalanx von vier Ehrengästen der Amicale Internationale, angeführt von ihrem Präsidenten Otto Berger. Da ist z. B. auch der Vizepräsident des DEHOGA, Herr Haus Loeble, dessen Erfahrungen mit der Verbandsarbeit in das Verfahren der Gründungsversammlung einflossen und dessen väterlicher Rat in Einzelfragen oft zu schnellen Lösungen führte.
Die Wahl des Vorstands ging dank seines Vorschlages, den Weg der Akklamation zu wählen, schnell und reibungslos vonstatten. Es hat also in Frankfurt nicht mit einem großen Aufgebot, aber mit einem verlässlichen Kern von Amicalisten angefangen, der sich dann, dank des positiven Echos, bald erweiterte.
Der erste Präsident konnte nur Herr Prantner sein, da er mit Herrn Neunert und Herrn Heuser in Hamburg die Vorarbeit geleistet und deshalb ein bereits funktionierendes Büro zur Verfügung hatte, was für die junge Vereinigung von großer Bedeutung war. Herr Rosin vom Parkhotel Bremen wurde mit in den Vorstand gewählt.
Das Amt des Vizepräsidenten übernahm Herr Staschik vom Hotel Continental in München, womit dem Übergewicht des Nordens eine südliche Bastion gegenüberstand. Herr Hans Loeble, ursprünglich nur als Vizepräsident des DEHOGA zur Gründungsversammlung gekommen, um sich "zu orientieren und zu informieren", verließ Frankfurt als Ehrenpräsident der deutschen Sektion.
Wie sehr er sich in Frankfurt mit der Sache der Amicale angefreundet hatte, kommt in seinen Worten zum Ausdruck: "Meine Herren, das hätten Sie schon vor zehn Jahren machen sollen!" Am 25. Mai 1974 fand dann bereits die erste Mitgliederversammlung der Amicale im Hotel Königshof in Bonn statt. Hierzu hatte Herr Ernst Deker und sein Direktor Herrn Fischer eingeladen. Dass sich da nicht ein paar Empfangchefs zu einem gemütlichen Herrenabend trafen, konnte man bald in den Zeitungen lesen.
Das "heiße Eisen" der Dumping-Preise in den Rezessionsjahren ist noch nie mit solchem Schwung angefasst worden. Das Referat von Herrn Kramarz über innerbetriebliche Schulungsarbeit verdeutlichte das Interesse für die Ausbildung des Nachwuchses. Beim Cocktail redete man sich die Köpfe heiß, der Erfahrungsaustausch, das gegenseitige Kennenlernen waren in vollem Gange: die Amicale lebte! Nach dem Bonner Treffen ging man schon als Freunde auseinander. Angesichts dieses Erfolges wurde bereits für den 30. November des selben Jahres die erste Jahreshauptversammlung in Hamburg terminiert.
Nun kannte man sich schon, die Amicale zeigte bereits Wirkungen. Herr K. Th. Walterspiel erwies der Vereinigung die Ehre, das Referat über den Empfangschef und seine Funktion im Hotelbetrieb zu halten. In geistvollen Worten brachte er vorbehaltlos seine Wertschätzung gegenüber den Empfangschefs als Verantwortungs-, Führungs- und Verkaufsperson zum Ausdruck.
Beim abschließenden Gala- Dinner im Hotel Vier Jahreszeiten durften die Amicalisten diese Wertschätzung durch die Hotellerie von der angenehmsten Seite erfahren… Es ist an dieser Stelle angebracht, das außerordentliche Entgegenkommen der Hotellerie bei der Organisation der Tagungen zu erwähnen.
Sie war in allen Fällen echter Gastgeber! Für diese damit zum Ausdruck gebrachte, wohlwollende Förderung der Amicale gebührt ihr größter Dank! Seit dem Hamburger Treffen waren die Damen das Programm begleitend miteinbezogen worden. In München waren sie sich schon nicht mehr fremd und lockerten den Rahmen der Tagung auf.
Dies war umso mehr zu begrüßen, als die Amicale in Deutschland sich so eifrig auf ihre Arbeit gestürzt hatte, dass der Sinn des Wortes Amicale, nämlich Freundeskreis, verloren zu gehen drohte. Den Damen gebührt die Ehre, diesen Wortsinn bei den Herren wieder in Bewusstsein gerufen zu haben. Heute ist ein Treffen ohne Begleitungen nicht mehr denkbar.
Als man sich am 31. Januar 1976 im Aukamm Hotel in Wiesbaden wiedersah, waren zwei Jahre seit der Gründung vergangen.
Rückblickend konnte man sagen, dass sich die Amicale in dieser kurzen Zeit erstaunlich schnell profiliert hatte. Das Ziel der Vereinigung war erreicht worden, auch wenn ein paar Mitglieder mehr wünschenswert gewesen wären. Der Gründungsvorstand konnte mit seiner Leistung zufrieden sein.
Bei den anstehenden Neuwahlen konnte das Präsidium (mit dem inzwischen etwas umfangreicher gewordenen Büro) der nächsten Generation beruhigt in die Hände gelegt werden.
Der im Aukamm Hotel gewählte neue Vorstand setzte sich wie folgt zusammen:
Präsident: Helmut Kreiß, Krefelder Hof, Krefeld
Vizepräsident: Franz Hofer, Aukamm Hotel, Wiesbaden
1. Sekretär: Ernst Deker, Hotel Königshof, Bonn
2. Sekretär: Eberhard Wendland, Dom Hotel, Köln
Schatzmeister: Karl Heuser, Atlantic Hotel, Hamburg
An dieser Stelle sei erwähnt, dass sich die Geschichte der Amicale nicht in der Aneinanderreihung der Mitgliederversammlungen erschöpfend darstellt. Inzwischen hatten elf Präsidiumssitzungen stattgefunden. Das Präsidium hatte die Verbindungen zum internationalen Büro in Paris aufrechtzuerhalten. Internationale Kongresse und regionale Treffen von Amicalisten außerhalb der Mitglieder-Versammlungen fanden statt.
Aus den Protokollen der Präsidiumssatzungen geht hervor, dass die in ihnen geleistete Kleinarbeit von lebenswichtiger Bedeutung für die Vereinigung war: die Einladungen zu den Tagungen mit ausgearbeitetem Programm und die Protokolle nach den Treffen mussten schließlich irgendwo herkommen.
Die Herren Sekretäre, von Herrn Neunert über Herrn Deker bis zu Herrn Wendland, können davon erzählen, womit sie einen großen Teil ihrer Freizeit verbracht haben… Seit 1974 war eine deutsche Sektion hinzugekommen. Zum IV. internationalen Kongress in Paris am 27. Januar 1979 entschloss sich das deutsche Präsidium, die Mitgliederversammlung der deutschen Sektion in Paris in einer separaten Sitzung stattfinden zu lassen.
Da diese Sitzung in das Programm des internationalen Kongresses eingebettet werden musste, wurde sie für den 26. Januar 1979 um 15.30 Uhr im Grand-Hotel angesetzt. Aus dem Protokoll: "Herr Kreiß stellt fest, dass bei den internationalen Treffen 1973 fünf, 1975 sechs, 1977 sieben und jetzt in Paris, also 1979, fünfunddreißig Personen anwesend waren bzw. sind." Mitgliederstand der deutschen Sektion im Januar 1979: 68 Personen.
Die Überraschung der Sitzung aber war, dass sich die deutsche Sektion bei der in Paris anstehenden Neuwahl des bureau international zur Wahl stellen wollte. Vorgespräche hatten stattgefunden, Personalfragen waren erörtert worden.
So wurde am folgenden Tag im Hotel Inter-Continental in Paris ein neues internationales Präsidium gewählt, das sich aus deutschen Mitgliedern zusammensetzte und nach einigen Umbesetzungen wie folgt etablierte:
Präsident: Franz Hofer, Aukamm Hotel, Wiesbaden
Vizepräsident: Helmut Kreiß, Parkhotel Krefelder Hof, Krefeld
1. Sekretär: Joseph Cortina, Hotel Savigny, Frankfurt
2. Sekretär: Paul Louis Bouvier, Hollstein-Hotel, Friedrichsdorf/Taunus
Schatzmeister: Sabine 5chlüter, Heusenstamm Rembrücken
1979, nach fünf Jahren, konnte man sagen, dass die Entwicklung sehr positiv verlaufen war. Die Amicale hatte sich etabliert und fand inzwischen die gebührende Anerkennung und Wertschätzung, vor allem Hotellerie und Fachpresse. Der Mitgliederstand entsprach den bei der Gründung gehegten Erwartungen.
Seid Paris waren auch einige Damen unter den Mitgliedern, was allgemein sehr begrüßt wurde. Per 5. Juni hat die deutsche Sektion 71 Mitglieder, davon 6 Damen. Auf unserer Mitgliederversammlung 1980 in Essen hat sich herausgestellt, dass die Amicale in der Öffentlichkeit inzwischen eine Wertschätzung erfährt, wie wir sie uns in der eigenen Branche nur wünschen können.
Behörden, Industrie und auch die Presse sehen in uns Ansprechpartner, die im Bereich des modernen Hotel-Business nicht ausschließlich von bednights, Durchschnitts-Erlösen und Belegungs-Prozenten sprechen, sondern darüber hinaus den (fast unmodernen) Versuch unternehmen, einen Rest der unserem Beruf traditionell verhafteten Gastfreundschaft in die Zukunft hinüber zu retten.
Wir sollten in diesem Bemühen auf die selbstverständliche Zustimmung unseres Managements rechnen können. Wir bitten die Verantwortlichen in unseren Betrieben: stärken Sie den Frontbereich! Wir erleben täglich, wie kostspielige Werbe-, PR- und Sales-Maßnahmen infrage gestellt werden durch Verringerung oder sogar Vernachlässigung der Produktpflege.
Wir wissen sehr wohl, dass wir nicht mehr in der Goethe-Zeit leben, wo "unter dem Tore des Hauses sitzend, am Markte" der Wirt zum Goldenen Löwen auf eventuelle Gäste wartete. Trotz notwendiger außerbetrieblicher Aktivitäten bleibt nach unserer Meinung die Zufriedenheit des Gastes beim Verlassen des Hauses - neben dem wirtschaftlichen Erfolg - das Ziel unserer Bemühungen.
Den Gast zufrieden zu stellen und ihn als hochgradigen Meinungsträger zu entlassen - das können wir nur innerhalb des Betriebes durch unsere Leistung erreichen. Es gibt eine Reihe weiterer Probleme, die unseren Berufsalltag betreffen, für die sich die A.I.C.R. als Diskussions-Plattform anbietet. Da haben wir die kostenschluckende Komplizierung des Reservierungsapparates.
Die Zwischenschaltung von vermittelnden - oft auch nur die Hand aufhaltenden - Institutionen verdrängt immer mehr den direkten Kontakt zwischen Hotel und Gast. Es sind dies zwar Probleme, die sich unserer direkten Einflussnahme entziehen, wir möchten aber nicht versäumen darauf hinzuweisen, wie sehr die Wertschöpfung innerhalb unserer Betriebe durch diese außerbetrieblichen Abhängigkeiten geschmälert wird.
Kommission, Override-Kommission, Courtage der Kreditkarten-Unternehmen und die Kosten für die Reservierungssysteme, ohne die sich heute kaum ein Hotel auf dem Markt präsentieren kann, summieren sich im Laufe eines Jahres zu einem erstaunlichen Betrag.
Wir sind daran interessiert, dass in diesem sich immer mehr komplizierenden, anonymen Beziehungssystem der Gast nicht soweit zur Ware degradiert wird, dass der Service auf der Strecke bleibt. Wir sehen, es gibt für die A.I.C.R. noch viele Möglichkeiten, aktiv zu werden.
Daneben soll aber nicht der Wert des persönlichen Kennenlernens, des Erfahrungsaustausches und der Erweiterung unseres Gesichtskreises über die Grenzen des Betriebes hinaus vergessen werden. In unserem Freundeskreis haben wir immer die Grundlage für ein Erweitern des beruflichen Horizonts durch persönliche Bekanntschaft und Erfahrungsaustausch gesehen. Es ist stets unsere Absicht gewesen, an unserem Gewinn und zum Nutzen unserer Häuser und Gäste von unseren Treffen etwas "mit nach Hause" zu bringen“.
Der Internationale Kongress vom 23. bis 25. Januar 1981 in München war ein Fest!
In seiner Ansprache zur offiziellen Eröffnung des Kongresses im München Hilton bezeichnete Bürgermeister Helmut Gittel die Empfangschefs als Lebenskünstler, da sie oft mit Menschen auskommen müssten, die sie nicht besonders leiden können. Ein sibyllinisches Wort, über dessen Ausdeutung wir uns noch Gedanken machen sollten. Hier entledigte sich nicht der Repräsentant einer Stadt lästiger Begrüßungsformalitäten.
Er tat es offensichtlich gern und fühlte sich in unserer Gesellschaft wohl. Auch Mr. Jean Armleder, unser internationaler Ehrenpräsident, ließ in seiner Rede alles Offizielle, alle wohlklingenden Sprüche beiseite. Er sprach von Charme, Ambiance und Atmosphäre als Inhalten des Hotelberufes. Wer benutzt heute noch solch unzeitgemäße Vokabeln?
In der kommerzialisierten und technisierten Welt der Hotel-Maschinerie unserer Tage eine Freude, ihm zuzuhören… In der internationalen Sitzung am 24. Januar im Diana-Saal des Hotels Vier Jahreszeiten war die Neuwahl des bureau international Hauptpunkt der Tagesordnung. Herr Jochim Neunert, Hotel Schweizerhof Berlin, hielt als versierter Wahlleiter die Fäden des Verfahrens in der Hand. Ergebnis ohne Gegenstimmen:
Das Präsidium der deutschen Sektion übernimmt, mit Ausnahme des Vizepräsidenten, das bureau international für die nächste Wahlperiode.
Vizepräsident bleibt wie bisher Herr Helmut Kreiß, Parkhotel Krefelder Hof, Krefeld. Le Bureau international de l' A.I.C.R.: President d'honneur international: Jean Armleder, Hotel Richemond Genf President: Franz-Josef Brühl, Hotel Vier Jahreszeiten Hamburg Vice President: Helmut Kreiß, Parkhotel Krefelder Hof, Krefeld Tresorier: Gerhard Fitzke, Hotel Reichshof Hamburg Secretaire General: Lothar Schmelz, Hotel Columbus Bremen Secretaire Adjoint: Erasmus Lemke, Maritim Golf- u. Sporthotel Timmendorfer Strand.
Wer sich von uns noch an die Zeiten des Hand Journals erinnert, der weiß, welche Erleichterung die für die Hotelbranche entwickelten mechanischen Buchungsmaschinen bedeuteten. Inzwischen sind Fortschritte gemacht worden. Die Elektronik hat Entwicklungen ermöglicht, die uns neue Dimensionen eröffnen.
Mag sein, dass der bereits erwähnte Traditionalismus in der Hotellerie eine retardierende Wirkung ausübt oder dass die Komplexität des Dienstleistungsgewerbes bei vergleichsweise geringen Betriebsgrößen bisher den Einsatz der neuen Technologien in unserem Bereichen verzögert hat. Wir als Empfangschefs sind die Praktiker an der Front. Wenn die Industrie uns Systeme anbietet, die rationellere Arbeitsmethoden ermöglichen, die Zusammenarbeit zwischen Front-Office und Buchhaltung erleichtern und uns mehr Zeit für den Gast geben, dann begrüßen wir das sehr.
Die Mitgliederversammlung im Jahr 1983 der Amicale fand vom 17. bis 19. Juni 1983 in Bonn im Etap-Hotel Königshof statt, in Bonn im Etap-Hotel Königshof statt, dem Platz, wo sich nach der Gründung im Jahre 1974 die Amicalisten zum ersten Mal getroffen hatten. Herr Jürgen Fischer, Direktor des neu gestalteten und erweiterten Hotels Könighof, ließ es sich als Ehrenmitglied der Vereinigung nicht nehmen, aktiv bei der Programmgestaltung mitzuwirken und mit seiner Gattin an den Rahmenveranstaltungen teilzunehmen.
Herr Ernst Deker war zur Gründungszeit Empfangschef im Hotel Königshof und an der Wahl Bonns zum Tagungsort erheblich beteiligt. Nachdem im Januar des nächsten Jahres in Hamburg der 10. Geburtstag der Amicale Deutschland gefeiert werden sollte, war als Auftakt eine Gesprächsrunde angesetzt worden, in der es um die Entwicklung des Freundeskreises der Empfangsdirektoren und Empfangschefs seit der Gründung ging.
Die zu diesem Zweck angesetzte "Bonner Runde“ sollte Antwort geben auf die Fragen: Ist der Gedanke, der zur Gründung der Amicale führte, verwirklicht worden? Ist die Entwicklung wie gewünscht verlaufen? Hat es seit der Gründung in der Hotellerie Veränderungen gegeben, die auch die Zielsetzung der A.I.C.R. zu Veränderungen und Anpassungen zwingen?
Welche Ausblicke ergeben sich für die zukünftige Arbeit der A.I.C.R.? Durch die Anwesenheit des Ehrenpräsidenten Herrn Gert Prantner, Direktor des Hotels Vier Jahreszeiten in Hamburg, der vor nunmehr fast zehn Jahren die deutsche Sektion der A.I.C.R. gegründet hatte, war aus kompetentem Mund zu erfahren, ob die Zielsetzungen, die seinerzeit zur Gründung geführt hatten, erreicht worden sind.
Die Ergebnisse dieser sehr sachlichen und disziplinierten "Bonner Runde" wurden abschließend vom Präsidenten Herrn Franz Josef Brühl zusammengefasst, die Zielsetzungen gemäß der Satzung sind erreicht worden. Vier Punkte, immer wieder erwähnt, hob er besonders hervor:
1. Die Amicale hat zunächst das gegenseitige Kennenlernen der Empfangschefs der Spitzenhotels ermöglicht.
2. Die persönliche Bekanntschaft führte oft zu Freundschaften und hat einen fruchtbaren Erfahrungsaustausch auf beruflicher Ebene ermöglicht.
3. Bei den Treffen ist die Gelegenheit gegeben, durch Kennenlernen der Mitgliedshotels etwas gegen Betriebsblindheit zu tun und über die Grenzen des eigenen Betriebs hinauszublicken.
4. Die Referate bei den Tagungen dienen der Horizonterweiterung und Fortbildung.
Allein die eifrige Beteiligung an dieser straff geleiteten Diskussion zeigte, dass der Freundeskreis zusammengewachsen ist. Die Existenz der Amicale in Frage zu stellen, kam niemandem in den Sinn. Erstaunlich waren die vielen Anregungen aus dem Gesprächskreis, die ein Engagement erkennen ließen, das offenbar dieser "Bonner Runde" bedurfte, um sichtbar zu werden.
Gut war zum Beispiel die Idee, bei Aufnahmeanträgen die Mitgliedschaft erst zuzuerkennen, wenn der Bewerber bei einer Veranstaltung persönlich anwesend ist. Auch der Gedanke, bei jedem Treffen einem Mitglied Gelegenheit zu einem Kurzreferat über ein aktuelles Thema zu geben, fand Beifall.
Das Protokoll der Sitzung vom nächsten Tag zeigte, dass einige der Anregungen aus der Diskussionsrunde bereits in die Tagungsordnung aufgenommen und zu Beschlüssen geführt wurden. * Zur 16. Mitgliederversammlung in Tuttlingen vom 16. bis 18. Juni 1989 konnten wir zum ersten Mal Gäste aus der DDR begrüßen. Herrn Bock, Hotel Potsdam, und Frau Christine Wüste, Hotel Bellevue Dresden, nahmen an der Veranstaltung teil und haben nach ihrer Rückkehr veranlasst, dass Herr Dr. Fröhlich einen Brief an den internationalen Präsidenten der A.I.C.R., Mr. David Campbell, geschrieben hat, in dem er zusicherte, die Gründung einer Sektion DDR zu fördern.
An dieser Stelle ist ein Rückblick unumgänglich. Irgendwann im Herbst 1987 kam es im Hotel Vier Jahreszeiten in Hamburg zu einer Begegnung, die Folgen haben sollte. Herr Franz Josef Brühl, Mitglied der Direktion des Hauses, führte einen Gast durch den Betrieb, wie er es schon oft getan hatte. Er schilderte die Vorzüge des Hauses und lud den Gast zum Lunch in die Condi ein. Dieser Gast war Herr Forst Schwanstecher, der laut Visitenkarte nicht nur für den Beherbergungs-Sektor des Hotels "Potsdam" in Potsdam, sondern für eben diesen Bereich in der gesamten Interhotel Gruppe der DDR verantwortlich war.
Augenblicklich weilte er zu einem Verwandtenbesuch, dem 50. Geburtstag seiner Schwester (einer sogenannten dringenden Familienangelegenheit) in der Bundesrepublik. Es kam zu einem interessanten Gespräch, bei dem es bald um Hotelfragen ging und Herr Brühl stellte fest, dass er einen Besuch aus der DDR im betreut hatte, der von Herrn Dr. Fröhlich, Leiter der DDR Interhotel-Gruppe, geführt worden sei.
In seiner Begleitung befanden sich Herr Kaske und Herr Professor Giske (letzterer wurde als Planer des Friedrichstadtpalastes und des neuzugestaltenden Gendarmenmarktes in Berlin auch im Westen bekannt). Es stellte sich heraus, dass Professor Giske das Projekt "Grand Hotel" in Berlin-Ost betreut, für das Herr Brühl zur Zeit der Voreröffnungsphase im Übernachtungsbereich tätig war.
Mit dem Hinweis, dass sich im Januar 1988 die Amicale in Berlin treffen wolle und wurde gleichzeitig nach der Möglichkeit gefragt, das dann bereits eröffnete Grand Hotel zu besichtigen, was sofort eine ausgemachte Sache war. Aber Amicale, was ist das? Sofort stand fest: Das brauchen wir auch in der DDR! Und So kam es, dass lange vor der politischen Wende eine grenzüberschreitende Vereinigung ins Auge gefasst wurde, gegen die es keine gegensätzlichen Auffassungen gab.
Anlässlich der Besichtigung des Grand Hotels im Januar 1988 durch die Amicalisten wurde Herrn Schwanstecher bereits das A.I.C.R.-Abzeichen angeheftet und er zum Mitglied der deutschen Sektion erklärt. Allerdings wurde die euphorische Aufbruchstimmung dann etwas gedämpft: die Einladung zur Tagung nach Düsseldorf musste Herr Schwanstecher absagen, weil er keine Reisegenehmigung bekam; Einladung zum internationalen Kongress in Paris: Keine Genehmigung.
Aber dann tat sich etwas. Zum Treffen in Tuttlingen folgten der Einladung der deutschen Sektion Frau Christine Wüste, Hotel Bellevue Dresden, und Herr Bernd Bock, Hotel Potsdam in Potsdam. (Herr Schwanstecher gehörte leider nicht zum NSIJ-Reisekader/NSIJ = nichtsozialistisches Währungsgebiet).
Dieser Besuch in Tuttlingen bewies, dass die Idee weiterlebte, wenn auch die aufgeschlossenen, weltoffenen Kollegen der Hotelbranche noch nicht die Sanktion einstimmiger politischer Macht genossen. Irgendwie musste man jedoch auch "höheren Ortes" gemerkt haben, dass die Leute der Hotelbranche keine ideologischen Ziele verfolgen, sondern durch ihre Aktivitäten auf einem devisenbringenden Sektor sogar eine für die DDR nützliche Funktion hatten. Und so konnte dann Herr Schwanstecher ungehindert die Gründung der Sektion DDR vorbereiten.
Eine gesamtdeutsche Lösung, die ins Auge gefasst worden war, wäre zumindest pro forma der Zeit zu weit vorausgeeilt. Zur Mitgliederversammlung in Königswinter vom 9. bis 11. Februar 1990 durften dann Herr Schwanstecher und Frau Wüste anreisen.
Nunmehr konnte bereits über die Gründungs-Versammlung der Sektion DDR gesprochen werden. Gründungsversammlung in Dresden A.I.C.R. Sektion DDR 27. bis 29. April 1990 Bewundernswert ist die generalstabsmäßige Planung durch Herrn Schwanstecher, die bereits im April 1990 zur Konstitution der A.I.C.R.-Sektion DDR führte.
Das Hotel Bellevue und der Dresdner Hof richteten die Veranstaltung aus. Als - damals noch ausländische - Gäste waren neben den Herren Lutz und Elbaz vom internationalen Präsidium auch die Herren Prantner und Brühl eingeladen. Die erste Mitgliederversammlung verlief genau so, wie es in der westdeutschen Sektion schon Tradition war.
Der Vorstand wurde gewählt:
Präsident: Horst Schwanstecher, Hotel Potsdam
Vizepräsident: Christine Wüste, Hotel Bellevue Dresden
1. Sekretär: Wolfgang Günther, Hotel Potsdam
2. Sekretär: Detlef Kruse, Grand Hotel Berlin
Schatzmeister: Edeltraud Schmidt, Hotel Panorama Oberhof
Beide Hotels zeigten durch ihre hervorragende Betreuung die hohe Wertschätzung, die der A.I.C.R. entgegengebracht wurde. Nicht zu vergessen: Herr Dr. Fröhlich, Interhotel-Vorstand, hatte mit einem Brief an den internationalen Präsidenten, Mr. David Campbell, der A.I.C.R. bereits volle Unterstützung zugesichert und eine Förderung der DDR-Sektion angekündigt. Wie es dann weiterging, ist bekannt.
Am internationalen Kongress in London im Januar 1991 nahm die östliche Hälfte der deutschen Sektion bereits mit 79 Mitgliedern teil (gegenüber 24 Mitgliedern aus dem westlichen Teil Deutschlands). Die Bildung einer gesamtdeutschen Sektion der A.I.C.R. fand dann auf der Jahreshauptversammlung in München statt, wo auch das erste gemeinsame Präsidium gewählt wurde.
Zum nächsten gesamtdeutschen Treffen traf man sich dann bereits in Dresden. Das Ziel, eine deutsche Sektion der A.I.C.R. zu bilden, war erreicht. Die Politiker brauchten noch etwas Zeit, um dem Beispiel der Amicale zu folgen. Auch das, was hinter den Kulissen geschah und nicht im glanzvollen Rahmen der Tagungen wahrnehmbar gewesen ist, gehört zur Geschichte dieser Vereinigung. Wie viele Vorstandssitzungen hat es gegeben?
Wie viel Vorarbeit haben die Veranstaltungen verursacht? Über die organisierten Seminar-Programme zur Fortbildung ist nichts geschrieben worden. Was diese Jubiläumsschrift enthält, ist nur eine kleine Gedächtnisstütze. Die Wirklichkeit war noch sehr vielseitiger und voller Leben. Für jeden Amicalisten existiert in seinem Gedächtnis eine eigene Chronik der Ereignisse.
Aber alles zusammengefasst, ergibt sich die Geschichte eines Freundeskreises, von der jeder der Freunde keinen Augenblick aus seiner Erinnerung streichen möchte. Umfassende gesellschaftliche und technische und damit auch betriebliche Veränderungen haben stattgefunden. Sie werden erst im zusammenfassenden Rückblick in ihrer Bedeutung sichtbar.
Welche neuen Aspekte haben Einfluss auf die Entwicklung der Hotellerie gehabt? Es sind zu nennen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und unter dem Aspekt gegenseitiger Einflussnahme:
- zunehmende Mobilität der Menschen und verbesserte Verkehrsverhältnisse
- veränderte Freizeitgewohnheiten * - gesteigerte Qualitätsansprüche
- nationale Grenzen verlieren an Bedeutung
- kommunikationstechnische Neuerungen, vor allem die Etablierung der EDV im geschäftlichen Alltagsleben
Diese Veränderungen machten immer wieder zeitgemäße Anpassungen in den Betrieben erforderlich.
Hier ein paar Beispiele für interne Neuerungen, die 1974 noch Zukunftsmusik waren:
- Fax-Anschluss im Hotelzimmer
- Email per Modem für den Gast
- Entwicklung und marktbeherrschende Ausbreitung der Reservierungssysteme, intensive Sales-Aktivitäten,
Public Relation und moderne Werbemaßnahmen
- Kooperationszusammenschlüsse, angefangen von lockerer, die Individualität des Betriebes nicht qefährdender Zusammenarbeit bis hin zu straffer Konzernbildung
- innerbetriebliche Rationalisierungsmaßnahmen - Outsourcing - moderne Ausbildungs- und Trainingssysteme
- Einbeziehung der Abteilungsleiter in die betriebswirtschaftliche Verantwortung
Wenn junge Kollegen dies lesen, wollen sie nicht glauben, dass dies alles im Jahre 1974 noch nicht zum Alltag gehörte. Im Lauf der Entwicklung hat sich gezeigt, dass die Amicale im richtigen Augenblick entstanden ist. Im Jahre 1974 war von der Nachkriegsphase nichts mehr zu spüren.
Auch die Betriebsgrenzen, innerhalb derer die traditionellen Hotels - vielfach in Familienbesitz - ein isoliertes Eigenleben führten, verloren ihre einengende Funktion. Kooperationen bildeten sich und die ersten Ketten erschienen. Rerservierungssysteme lenkten den Gästestrom und nahmen dem Kunden die individuelle Entscheidung zum Teil ab.
Die Hoteliers mussten plötzlich entdecken, dass nicht mehr die Produktqualität, sondern die Einbindung in eine übergeordnete Organisation die Kundenentscheidung weitgehend bestimmte. Diese Neuorientierung war Inhalt vieler Referate bei den Treffen der Amicale. Die Mitgliedschaft ermöglichte den Empfangsleitern, über die sich vollziehenden Veränderungen auf dem Laufenden zu sein. Es war nicht nur positiv zu sehen, dass der vom Gast bezahlte Zimmerpreis nun mit vielen geteilt werden musste.
Die Mitgliedsbeiträge für Hotelkooperationen, die Kommissionen und Overridekommissionen, die neuen Kosten für Salesaktivitäten - all das trieb die Preise in die Höhe. Der Servicestandard innerhalb des Hauses wurde dadurch für den Gast nicht sichtbar verbessert. In der A.I.C.R. wurde festgestellt, dass man nicht mehr nur für seinen Betrieb, sondern für eine Menge von Institutionen arbeitete, die sich in den Strom des Gästeaufkommens eingeschaltet hatten.
Aufgrund von Referaten, Diskussionen und Erfahrungsaustausch innerhalb der Vereinigung kamen die Mitglieder zu der Einsicht, dass hier eine unaufhaltsame Entwicklung im Gange ist, die auch Vorteile hat. Maßgebend für diese Einsicht war eine weitere Veränderung, die nicht nur für die Hotellerie, sondern für das gesamte Wirtschaftsleben den Beginn einer neuen Ära bedeutete: die Etablierung der EDV.
In der Anfangsphase dürften selbst versierte Programmierer Schwierigkeiten gehabt haben, die sehr diffizilen Probleme eines traditionellen Stadthotels in den Griff zu bekommen. Doch die hier erwähnten Geburtswehen einer neuen Ära sind jungen Menschen von heute kaum noch zu erklären.
Sie können sich nicht vorstellen, wie man einst ohne die heute selbstverständlichen Arbeitstechniken zurechtgekommen ist. Selbst die A.I.C.R.-Mitglieder der älteren Generation, denen es in der damaligen Zeit schwer gefallen ist, sich den Veränderungen anzupassen, verfolgen nun bei den Referaten anlässlich der Mitgliederversammlungen sachkundig und mit Interesse die Neuentwicklungen in der Datentechnik. Es sei erwähnt, dass die A.I.C.R. durch Auswahl der Referenten bei des Tagungen stets Fachleute heranzog, die Fragen sachkundig beantworten und aktuelle Situationen kompetent erläutern konnten.
Dies geschah zu einer Zeit, in der innerbetriebliche Schulungen noch die Ausnahme waren. Außerdem brachten diese Referate allgemeingültige Informationen und waren nicht der einschränkenden Ideologie einer Company verpflichtet. Die Amicale war auf dem Gebiet beruflicher Schulungen zukunftsweisend und hat über Initiativen ihrer Mitglieder in den heimischen Betrieben die Durchführung von Schulungen veranlasst. An dieser Stelle sollte nicht vergessen werden: Amicale heißt Freundeskreis! Die aus beruflichen Gründen erfolgte Entstehung der Vereinigung hatte eine sehr private Nebenwirkung. Bei den regelmäßigen Treffen kamen sich die Mitglieder näher und es entstanden Freundschaften, wo es vorher kaum zu dienstlichen Kontakten gekommen war.
Diese Freundschaften innerhalb des Rahmens einer Vereinigung auf beruflicher Ebene waren der Zement, der dem Ganzen eine zusätzliche Festigkeit gab. Die Folge dieser privaten Bindungen war ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das die Grenzen der ursprünglich in der Satzung festgelegten Statuten überwucherte. Sollte sich ein Freund von dem Kreis trennen, wenn er Direktor wurde? War ein Kollege abgeschrieben, wenn er die Altersgrenze erreichte? Was ist mit einem Mitglied, das im Ausland tätig wird? Hier ist sicherlich der Punkt, wo eine Korrektur der Satzung zunächst ansetzen sollte.
Der Name der Amicale sollte erhalten bleiben, wenn auch die in ihm enthaltene Vokabel "grands hotels" anders definiert werden muss als zur Zeit der Entstehung; die Zahl der Mitglieder würde sonst laut Satzung nicht einmal einen sehr kleinen Club rechtfertigen.
Es hat ein Generationswechsel stattgefunden. Den in dieser Festschrift zum 30jährigen Bestehen der deutschen Sektion der A.I.C.R. skizzierten Entwicklungen in der Hotellerie entsprechen selbstverständlich auch Veränderungen in dieser Vereinigung. Sie bietet heute ein anderes Bild als zur Zeit der Entstehung. Und das ist gut so. Die Satzung von 1974 steht heute noch so da wie damals. Das könnte den Eindruck erwecken, die Amicale sei auf dem damaligen Stand der Entwicklung stehen geblieben. Wir wissen, dass es nicht so ist.
Doch sind die Paragraphen damals vorausschauend so abgefasst worden, dass sie ihre Gültigkeit bis heute behalten konnten, wobei sich natürlich der Notwendigkeit zeitgemäßer Änderungen kein Mitglied entgegenstellen würde. Wie gesagt, der Empfangschef hat als Leiter der umsatzstärksten Abteilung des Hotels an Bedeutung gewonnen. Er weiß aber auch, dass er mit Buchung, check in und check out nicht alles für den Gast getan hat, etwas mehr erwartet der Kunde eines guten Hotels schon…
Wir meinen also, dass auf den Kollegen aus der Loge nicht verzichtet werden darf, denn unsere Gäste sollen auch weiterhin zufrieden gestellt werden, indem wir etwas mehr für sie tun. Bleibt zu hoffen, dass sich zunehmend eine Gemeinsamkeit entwickelt, damit ein Rest vom legendären Nimbus der großen Grand Hotels alten Stils erhalten bleibt. Mögen unsere Nachbarn in der Hotelhalle diesen Hinweis richtig verstehen und bereit sein, an eine gemeinsame Zukunft zu denken.
Unter dem Strich bleibt als positive Bilanz, dass der Empfang als Verwaltungsabteilung des Übernachtungsbereiches an Bedeutung gewonnen hat, hier wird der Erfolg des Unternehmens entschieden. Mit diesem hoffnungsvollen Blick in die Zukunft sei der Rückblick auf die Vergangenheit beendet. Die zukünftigen gesellschaftlichen Veränderungen, die unseren Beruf betreffen, kann niemand voraussagen.
Wir leben in der Gegenwart und werden von ihr gefordert. Und wenn wir es auch jetzt nicht merken: In weiteren 30 Jahren wird das, was wir heute erleben, die Zeitgenossen genau so verwundern, wie uns das Erleben der vergangenen 30 Jahre!